Wenn Politiker so allgegenwärtig sind wie derzeit Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) haben Sie es verdient, dass man sich etwas näher mit ihnen beschäftigt. Was sie uns beinahe täglich zu sagen haben kennen wir inzwischen aus dem Eff-Eff: Maske, Impfen, Lockdown, mehr Impfen, härterer Lockdown, noch mehr impfen….Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Niemand hat die Absicht eine Impfpflicht einzuführen. Mit dem Wissen von heute wird es keinen weiteren Lockdown geben. Mit dem Wissen von Morgen kann das ganz anders aussehen…
„Lockdown“ – Was heißt das eigentlich?
„Lockdown“ geht vielen inzwischen so leicht über die Zunge als wäre der Begriff schon immer da gewesen. Alles „ganz normal“. Genau das ist es aber ganz und gar nicht.
Die Amtssprache ist Deutsch und darum sollten wir uns wenigstens vergegenwärtigen, was der Begriff eigentlich bedeutet. „Lockdown“ heißt übersetzt „Ausgangsperre“. Empfinden Sie es als ganz normal, dass schon unsere Kinder mit diesem allgegenwärtigen Begriff aufwachsen? In einem angeblich freien Land und einer freiheitlichen Demokratie? Die „Neue Normalität“ wird eingeübt. Wollen wir diese Art der „Normalität“? Wollen wir dieses Vokabular als Alltagssprache neben der „Alltagsmaske“?
Das sagt das Gabler Wirtschaftslexikon zu dem Begriff „Lockdown“:
„Ein Lockdown (engl. „lockdown“: „Ausgangssperre“) ist im ursprünglichen Sinne des Wortes eine Ausgangssperre oder auch eine Absperrung bzw. Versiegelung von Gebäuden und Bereichen. Bei einem Amoklauf oder einem Terroranschlag sollen Täter eingekreist und ausgebremst oder mögliche Opfer geschützt werden.“
Lockdown • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon
Alles klar?
Nun aber zu den beiden genannten Protagonisten in diesem denkwürdigen „Lockdown“ oder – in Anlehnung an obige Definition – in diesem politischen „Amoklauf“.
„Lockdownminister“ und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)
Über Jens Spahn wissen wir, dass er als strammer Pharmalobbyist gilt. Trotzdem – oder deswegen? – nannte ihn Karl Lauterbach „Keine schlechte Wahl“ als es in 2018 darum ging, ausgerechnet den Pharmalobbyisten Spahn zum Gesundheitsminister zu ernennen. Spahn seinerseits plädierte in den 8. Berliner Gesprächen zum Gesundheitsrecht vom 8. Mai 2009 dafür, Lauterbach zu ignorieren. Er wolle ihn nicht aufwerten indem er sich über ihn äußere sagte er sinngemäß. Bei der gleichen Gelegenheit bezeichnete Frank Spieth von den Linken Lauterbach als den „faulsten Abgeordneten“, den er jemals kennen gelernt habe.
Aktuell, so scheint es, verbinden Spahn und Lauterbach gemeinsame Ziele. Im offiziellen Sprachgebrauch ist das erklärte Ziel die Gesundheit der Bevölkerung.
Über Jens Spahn wissen wir außerdem, dass er sich mit seinem Ehemann eine Villa zum Kaufpreis von mehreren Millionen gegönnt hat. 4,125 Millionen Euro sollen es sein. Der Kaufpreis darf inzwischen wieder genannt werden. Gegen die Veröffentlichung des exakten Kaufpreises ist er juristisch vorgegangen; letztlich aber nicht erfolgreich. Man könnte so manche kritische Frage stellen aber das soll hier nicht unser Thema sein.
Willkommen im Club
Weit weniger Aufsehen als die Nähe zur Pharmaindustrie und der Kauf der Millionenvilla in einer Zeit, in der Menschen aufgrund der maßgeblich durch Spahn mitverantworteten Maßnahmen verzweifelt um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, erregt der Umstand, dass Spahn zum „Club“ der „Young Leaders“ der Atlantik-Brücke gehört.
Die Atlantik-Brücke ist – salopp ausgedrückt – ein weiterer Lobbyverein, dem nach eigenen Angaben rund 500 Mitglieder aus Politik, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft angehören – also alle Bereiche, die es braucht um die öffentliche Meinung zu lenken. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Europa und Amerika soll auf allen Ebenen vertieft werden, heißt die alles und nichts aussagende Version zu der Aufgabe der Organisation.
https://www.atlantik-bruecke.org/die-atlantik-bruecke/gremien/
Auf der liste der „Young Leader“ der Atlantik-Brücke findet man auch Namen wie zum Beispiel Kai Diekmann (früher Chefredakteur der Welt am Sonntag und der Bild) oder Matthias Döpfner (u. a. Vorstandsvorsitzender bei Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger). Auch das ZDF und Phönix sind vertreten. Recht praktisch für eine wohlwollende Berichterstattung über die Arbeit des Gesundheitsministers dürfte neben diesem Netzwerk auch die Tatsache sein, dass sein Ehemann das Berliner Büro von Hubert Burda Media (Focus, Bunte, Superillu, Chip, XING..) leitet. Das Netzwerk ist aber weitaus größer.
Muss Young global Leader Spahn „abliefern“ für das Weltwirtschaftsforum?
Jens Spahn gehört auch zu den „Young Global Leaders“ der „Davos-Clique“ um Klaus Schwab und „seinem“ Weltwirtschaftsforum. Na ja, ein Lobbyverein mehr oder weniger, mag mancher denken. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Was soll oder muss Spahn tun im Sinne der „Weltwirtschaftselite“? Ein „Young Global Leader“ muss nämlich Ziele erfüllen, „abliefern“, wie es in Castingshows manchmal heißt. Young Global Leader, also die Nachwuchsführungskräfte des Weltwirtschaftsforums, die nach intransparenten Kriterien ausgewählt werden, bezeichnen manche etwas despektierlich als so etwas wie „Praktikanten“. Sie müssen lernen, sich bewähren und eben abliefern. Natürlich heißt es beim Weltwirtschaftsforum etwas anders als in Castingshows. Von messbaren Verpflichtungen (commitments) und einem „Set von Zielen“ ist die Rede. Auf der Homepage ist diese Information derzeit nicht mehr öffentlich zugänglich. Ein wenig Recherche und ein Blick auf die archivierte Seite zeigt aber noch den bis vor Kurzem zugänglichen Inhalt:
„Our Commitments
As our community grows, so do our ambitions. At our annual summit in 2018, current members and alumni committed to a set of goals to achieve by 2021. We will act on these specific, measurable commitments by leveraging partnerships between YGL-led organizations and the Forum of Young Global Leaders.“
Weltwirtschaftsforum
Welche Ziele hat der Bundesgesundheitsminister im Sinne einer selbsternannten Wirtschafts- und Finanzelite zu erfüllen?
Die Gemeinschaft wächst und auch die Ambitionen, heißt es. Bei dem Jahrestreffen 2018, welches vom 15.-18. Oktober 2018 in San Francisco stattfand, haben die Alumni (frühere Young Global Leader (YGL)) und die aktuellen „Praktikanten“ sich verpflichtet, ein „Set“ von messbaren Zielen bis 2021 zu erreichen. Welche Ziele das konkret sind erfahren wir nicht. Somit ist es auch nicht möglich, auszuschließen, dass hier erhebliche Interessenkonflikte bestehen zwischen den Zielen der „Weltwirtschaftselite“ und den Aufgaben eines allen Bürgern verpflichteten Gesundheitsministers.
Wie soll es möglich sein, den Interessen von Big Pharma, Big Tech, Finanzmogulen usw. zu dienen und gleichzeitig nicht in Konflikt zu geraten mit Interessen des Gemeinwohls? Welche Ziele haben bei Zielkonflikten Priorität? Diejenigen, die einer kleinen aber mächtigen Elite und damit der eigenen Karriere und dem eigenen Wohlstand dienen? Oder die des Gemeinwohls?
Es bleibt also die Frage: Welche konkreten, messbaren Ziele hat Spahn bis 2021 im Sinne der Interessen des Weltwirtschaftsforums zu erfüllen?
Warum „Grün“ keinen Unterschied macht: Auch Annalena Baerbock ist im Lobbyclub
Der politisch „schwarze“ Jens Spahn (CDU) ist den Zielen einer mächtigen Weltwirtschaftselite verpflichtet. Die politisch „grüne“ Annalena Baerbock ebenfalls. Und viele Andere. Aus diesem Grund dürfte es keine Rolle spielen, wer vorne an der Front steht auf der politischen Bühne. Die Regisseure im Hintergrund, ihre Interessen und ihre Ziele bleiben dieselben.
Annalena Baerbock (Grüne) ist seit 2020 in der neuen „Klasse“ der „Young Global Leader“ und damit den intransparenten Zielen der kapitalistischen „Davos-Clique“ verpflichtet. Wir wissen nicht, um welche Ziele es genau geht. Wenn mit Wissen hinter dem Berg gehalten wird statt für Transparenz zu sorgen in einer so wichtigen Frage, eröffnet das zwangsläufig Raum für Spekulationen. Es bleibt nichts anderes übrig als zu recherchieren, Thesen aufzustellen und 1 und 1 zusammen zu zählen. Wer das jedoch tut muss damit rechnen, nach allen Regeln der „Propaganda-Kunst“ diskreditiert zu werden mit Kampfbegriffen wie „Verschwörungstheoretiker“ oder Schlimmerem. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, die bekannten Fakten zu benennen und nach Antworten auf Fragen zu suchen, die uns alle angehen. Schauen wir uns also an, was Jens Spahn selbst zu sagen hat über die tägliche Dosis Impfwerbung für die Pharmalobby hinaus.
Jens Spahn und „Die App vom Arzt“
Digitalisierung steht ganz oben auf der Agenda. Das ist unverkennbar. Klaus Schwab, der vor gut 50 Jahren das Weltwirtschaftsforum gegründet hat, lässt daran keinen Zweifel. Ebenso wenig sein „Schützling“ Spahn.
In 2016, also in dem Jahr in dem Jens Spahn zum „Young Global Leader“ gekürt wurde, hat Spahn zusammen mit Markus Müschenich und Jörg Debatin ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „App vom Arzt – Bessere Gesundheit durch digitale Medizin“.
Das Titelbild ziert ein junger Mann mit Dreitagebart, viel nackter Haut und einer weißen Unterhose (Doppelripp? – ich kann es nicht genau identifizieren).
Davor sieht man ein Smartphone mit einer Art Röntgenbild eines Körpers, auf dem der Darm, das Herz und andere „innere Werte“ zu sehen sind. In dem Buch reden die Autoren der digitalen Überwachung das Wort.
„Datenschutz ist was für Gesunde“
Mehrfach heißt es: „Datenschutz ist was für Gesunde.“ Das deutsche Datenschutzrecht sei ein „Innovationskiller, der den Fortschritt in der Medizin behindert.“ Es war also spätestens seit 2016 absehbar, dass Spahn und der Schutz sensibler Daten nicht zusammen passen. Heise online schrieb am 11.08.2020:
„Der fleißige Herr Spahn: Mit Vollgas gegen den Datenschutz“
https://www.heise.de/tp/features/Schon-wieder-Spahn-erhoeht-Datenschutz-Risiko-4867069.html
„Datenschutz ist was für Gesunde.“ Wie praktisch, wenn man dank „Corona“ jeden wenn schon nicht zum Kranken so aber doch zum potenziellen Kranken, zum symptomlosen Kranken oder sogar zum Gefährder deklarieren kann.
Die Autoren schwärmen in dem Buch von „Internetmedizin“ und virtuellen Sprechstunden:
„Die Internetmedizin wird erstmals regelhaft bezahlt und erscheint zudem gleichberechtigt gegenüber der Medizin, die wir bisher kennen. Doch dann lässt die deutsche Ärzteschaft eine noch größere Bombe platzen. Am 15. Mai 2015 beschließt der Deutsche Ärztetag, dass „auf evidenzbasierter Grundlage telemedizinische Methoden gegenüber konventionellen Verfahren auch als gleichwertig oder überlegen angesehen werden (können)“. Trotz der altmodischen Wortwahl ist es eine Sensation. Denn im Klartext bedeutet es, dass Internetmedizin die bessere Medizin sein kann. Damit ist die Akzeptanz der Internetmedizin in der deutschen Versorgungslandschaft unumstößlich – und von höchster Stelle autorisiert – verankert.“
App vom Arzt
Internetmedizin überlegen wenn es ins Konzept passt
Diese Worte stehen in eklatantem Widerspruch zu den Taten, die wir in diesen Tagen erleben im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen Ärzte, die ihren Patienten Atteste zur „Maskenbefreiung“ ausgestellt haben. In manchen Fällen, so der Vorwurf, soll keine persönliche Untersuchung in der Praxis stattgefunden haben. Die Ärzte werden diskreditiert oder gar kriminalisiert. Dabei ist – wie Spahn und seine Mitautoren es ausdrücken – von höchster Stelle autorisiert – , dass die Internetmedizin sogar überlegen sein könne. Diese Argumentation darf aber nicht nur willkürlich greifen, wenn sie gerade in das Digitalisierungskonzept passt, sondern muss auch zugunsten der betreffenden Ärzte gelten.
Die Autoren behaupten in ihrem Buch weiterhin, dass eine richtige Diagnose zu 70 % davon abhänge, was Patienten dem Arzt über sich erzählen. Auch in diesem Fall spielt es dann keine Rolle, wie kommuniziert wird – ob persönlich von Angesicht zu Angesicht oder telefonisch. Eine „Warn-App“, wie sie uns im Kontext „Corona“ mit viel Werbeaufwand angepriesen wurde, ist ebenfalls schon in dem Buch enthalten – als Uhr am Handgelenk mit einem Beispielbild auf dem zu lesen ist: „Sie reisen nach München. Hohes Grippe-Risiko.“ Das war 2016.
Das Schwärmen geht weiter:
„In Online-Arztpraxen wie DrEd.com werden rund um die Uhr Diagnosen übers Internet erstellt und Medikamente verschrieben.“
App vom Arzt
Spahn´s Interesse an unseren Darmbakterien
Natürlich. Das ist ja auch keine Kunst. Vereinfacht ausgedrückt: Nenne mir Deine Symptome und ich suche Dir aus dem elektronischen „Pharmahandbuch“ das passende Medikament. Schöne neue Welt, welche die Interessen von BigPharma in höchstem Maße berücksichtigt. Mit Heilung, ganzheitlicher Betrachtung des Menschen und Gesundheit hat das aber nicht mehr viel zu tun. Zur Medizin der Zukunft lesen wir in dem Buch „App vom Arzt“, dass wir künftig auf unseren Smartphones alle Gesundheitsdaten ständig bei uns tragen werden – „von den Erkrankungen der Großeltern über die Schwangerschaft unserer Mutter bis zum letzten Laborwert vor unserem Tod.“ Natürlich müssten diese Daten alle zentral gespeichert werden. Selbst für die Bakterien in unserem Darm und natürlich die Gene interessieren Spahn & Co. sich brennend. Kein Scherz. Leider. Man bekommt unweigerlich „Kopfkino“…
Hausarzt „Dr. Google“
In dem Buch geht es weiter mit den Vorstellungen über die schöne, neue Normalität:
„Und google weiß dann genau so viel von „seinem Patienten“ wie der Hausarzt. Google weiß aber möglicherweise viel mehr über die neuesten medizinischen Möglichkeiten.“
App vom Arzt
Geht es nach Gesundheitsminister Spahn heißt unser neuer Hausarzt also Dr. google. Unverhohlen lässt er damit durchblicken, dass Ärzte bald wohl kaum oder gar nicht mehr gebraucht werden.
Auch SAP wird erwähnt und natürlich IBM, mit deren Lochkarten und Technik schon die Nationalsozialisten Daten ihrer unschuldigen Opfer effizient verwaltet und Vernichtung organisiert haben. Heute soll IBM sich um den digitalen Impfpass kümmern. Die Kompetenz dürfte unstreitig sein. Vermittelt Ihnen das ein gutes Gefühl?
Das Buch „Die App vom Arzt“ könnte aus der Feder von Klaus „The Great Reset“ Schwab stammen. Die Autoren reden der „Vierten industriellen Revolution“, wie sie im gleichnamigen Buch von Schwab beschrieben ist (rein zufällig auch aus dem Jahr 2016), das Wort. Die Stoßrichtung ist identisch. Gehört die Umsetzung zu den „messbaren Zielen“, die Spahn liefern muss? Die Meilensteine und bisherigen Aktivitäten deuten stark darauf hin. Es gibt viele Indizien, die ein eigenes Buch füllen würden. Bei Jens Spahn passen also die Worte von gestern, die Taten von heute und die Ziele von Morgen sehr gut zusammen. Es ist klar erkennbar, in wessen Sinne er arbeitet.
Karl Lauterbach und der Zweiklassestaat – Wo ist er hin?
Das gilt aktuell auch für Karl Lauterbach. Allerdings war das nicht immer so. Hat Lauterbach vielleicht gemerkt, dass es seinem ausgeprägten Ego und seiner „Karriere“ nützlich ist, stramm „auf Corona-Panik-Kurs“ zu sein? Karriere scheint eine überaus wichtige Rolle zu spielen für diesen Mann über den seine kompetente Ex-Frau, eine Fachärztin, sagte, sie halte es für bedenklich, was in seinem Kopf vorgeht.
Von Lauterbach´s kritischen Worten früherer Tage ist jedenfalls nichts mehr zu vernehmen. Dabei gibt es einige bemerkenswerte Aussagen, die nicht in der Versenkung verschwinden sollten.
Sie stammen aus Lauterbach´s Buch:
„Der Zweiklassenstaat – Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren“ (2007)
Lauterbach schrieb über Zweiklassenmedizin, die wahren Rentenlügen, Pflege im Zweiklassenstaat, Bildung erster und zweiter Klasse und manches mehr. Er schrieb darüber, wie die besonders gut ausgebildeten „Babyboomer-Jahrgänge“ (in Deutschland etwa die Jahrgänge 1955-1965) noch den Arbeitsmarkt beherrschen und aufrecht halten und was danach kommt.
Das ist deshalb besonders interessant, weil wir an einem Punkt sind an dem die selbst geschaffenen Probleme nicht mehr lange unter den Teppich gekehrt werden können. Ein Zusammenbruch unserer Sozialsysteme, der Wirtschaft und des Finanzsystems zeichnete sich lange ab. Dies auf eine Pandemie schieben zu können wäre geradezu ein Segen. Niemand ist verantwortlich. Keine Diskussion über Schuld und Wiedergutmachung. Schicksal statt zerstörerischer Politik. Dabei ist die zerstörerische Politik nachzuvollziehen seit Jahren und Jahrzehnten.
Lauterbach beschrieb es in 2007 so:
„Keines der in diesem Buch angesprochenen Probleme des Zweiklassenstaats wurde gelöst. Vergleichbar einem Krebsgeschwür wuchern im Innern des Exportweltmeisters die Folgen unseres ungerechten und ineffizienten Bildungssystems… des vernachlässigten Gesundheitsschutzes der Arbeitenden…Die Zweiklassenmedizin wird nicht abgebaut, sondern noch verstärkt….Noch gleicht der Exportweltmeister einem Muskelprotz. Doch der Krebs im Inneren wächst. Er verursacht uns nur bislang keine Schmerzen, weil die besonders gut ausgebildeten Babyboomer noch den Arbeitsmarkt beherrschen…und tragen wie keine andere Generation zum derzeitigen Erfolg der deutschen Wirtschaft bei. Bald aber werden die Babyboomer-Jahrgänge die größte Rentner- und Krankenkohorte Europas sein. Die dann das Ruder übernehmenden Geburtsjahrgänge ab 1990 sind halb so groß und weisen nur ein Viertel der Talente von 1964 auf. Sie bestehen fast zur Hälfte aus Menschen, die keine ausreichenden Sprachkenntnisse, eine nur minimale Bildung, massive Lese- und Rechenschwächen oder große kulturelle Probleme mitbringen, oft sogar mehrere dieser Nachteile auf einmal. Spätestens dann, wenn die Babyboomer abtreten, wird der Krebs dieser Republik deshalb für alle sichtbar werden…“
Der Zweiklassen-Staat
Lassen wir diese Worte wirken. Es sind starke Worte und leider nicht nur Worte.
Nur so viel noch an dieser Stelle: Das Krebsgeschwür ist gewuchert – parallel zur Gründung und zum Aufstieg des Weltwirtschaftsforums ab 1971. Seitdem ist der Intelligenzquotient in jeder Generation gesunken, die Krankheitskosten exorbitant gestiegen, die Schere zwischen Arm und Reich erheblich größer geworden, die Umwelt immer weiter zerstört worden, unsere Lebensmittel qualitativ schlechter geworden, Krankheiten sind auf dem Vormarsch….Alles nur Zufälle? Inzwischen redet Karl Lauterbach denen nach dem Mund, die von einem wachsenden Krebsgeschwür – um mit seinen eigenen Worten zu reden – profitieren. Warum?

Der Zweiklassen Staat, Karl Lauterbach, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008, Copyright 2007 Rowohlt Berlin Verlag GmbH
App vom Arzt, Jens Spahn, Markus Müschenich, Jörg F. Debatin, Verlag Herder, 2016